Hier erfahren Sie etwas mehr über die Hintergründe des Objektes im Ganderkesee Quiz 1:

Hot oder Schrott? 

Der Obelisk an der Westtangente dürfte schon viele ins Grübeln gebracht haben. Seine Eckdaten vorweg: Die Stahl-Skulptur des Hamburger Malers und Bildhauers Walther Kahl trägt den Namen „Radio LOM“ und stellt einen Sendemast dar. Sie ist knapp eine Tonne schwer, 9,98 Meter hoch und rost-farben. Anders als seine „Artgenossen“, verfügt dieser Sendemast über keinerlei Technik. Doch auch ohne jede Funkfrequenz hatten Radio LOM und vor allem das, was an seinem Fuß stattfand, zweifelsfrei Ausstrahlung. Viele waren begeistert. Andere schüttelten den Kopf. Und manche freuten sich über einen hohen Unterhaltungswert.

Aber von Anfang an. Ursprünglich stand Radio LOM auf einer Wiese an der Urneburger Kreuzung. Es war wohl dieser Standort, der sechs Künstler und Unternehmer im Herbst 1993 zur Gründung der „wiese GmbH“ inspirierte. „Mit der Art, wie wir mit anderen Menschen, mit Tieren, mit der Natur umgehen, kommen wir nicht weiter“, beschrieb Komponist Hans-Joachim Hespos damals den Ansatz der Gesellschaft. Die Orientierung am Geld, an angeblichen Sachzwängen oder an dem, was immer noch als Fortschritt gelte, führe in die Sackgasse. Dagegen wollte die „wiese“-GmbH mit Radio LOM Anstöße geben zu Gesprächen und Kunst-Projekten mit dem Ziel, andere Wege aufzuzeigen. Weitere Türme sollten folgen und später eine „Nordeuropäische Kulturstraße“ bilden. Am 24. September 1994, 16 Uhr, ging’s in Ganderkesee los.

Ironie des Schicksals: Ein Sachzwang sorgte schon wenige Jahre später dafür, dass der Funkmast in Urneburg weichen musste. Denn an der dortigen Kreuzung war von der Politik anderes geplant. Für Radio LOM begann eine Zwangspause.

Umso erleichterter waren die „wiese“-Gesellschafter, als Bürgermeister Gerold Sprung 2001 einen neuen Standort für den Funkmast im gerade entstehenden Gewerbegebiet an der Westtangente vorschlug. Zur Wintersonnenwende desselben Jahres wurde schon mal ein Pflock in die „neue“ Wiese eingeschlagen. Rund 20 „wiese“-Freunde feierten. Mit Wunderkerzen in der Hand, ging es im Kreis einmal links, einmal rechts herum um den Pflock.

Im August 2002 kam auch der Funkturm an die Westtangente, Radio LOM konnte wieder „auf Sendung“ und „auf Empfang“ gehen. Was folgte, waren einzelne Kunst-Aktionen. Doch bald verstummte der Funkturm. Schade.

Text: Karsten Kolloge